Du musst dein Ändern leben! – das Kokon-Stadium der Veränderung
Manchmal rast Veränderung mit 100 km/h in uns hinein oder fährt uns von hinten unangenehm in die Hacken.
Und ein anderes Mal wächst & gedeiht es ganz leise in unserer Magengrube – flüstert: ich bin hier, es beginnt! – während wir uns noch taub stellen.
Doch selbst den leisten Laut kann man nicht für immer ignorieren.
Schleichende Veränderungen können super unangenehm & zäh sein.
Besonders, wenn wir nicht wissen, in welche Richtung wir uns eigentlich konkret ändern und uns noch in der Kokon-Phase befinden.
Es gibt kein klares Ziel, es gibt nur ein “so nicht mehr”. Doch wie sonst?
Wie gehen wir damit um, wenn wir die Veränderung bemerken, doch kaum in Worte fassen können, wie diese Veränderung eigentlich begonnen hat? Was sie mit uns vor hat? Wie lange sie dauern wird?
Stillstand & Beobachtung
Kleine Background Story:
Vor ein paar Monaten hat sich ein Hebel in mir umgelegt.
Mein Blick auf viele Aspekte meines Lebens verfärbte sich, nahm neue Farben an und Dinge, die sonst so glasklar waren, erschienen plötzlich milchig. Ich wusste nichts mehr außer, dass ich Verwirrt zu sein schien.
Und so geht es mir noch immer.
Jetzt – einige Monate nachdem ich die Veränderung das erste Mal wahrgenommen habe – ist alles um mich herum & in mir ganz langsam.
Meine Entscheidungen sind langsam.
Meine Schlüsse sind langsam.
Meine Schritte sind langsam.
Und langsam macht es mich verrückt, denn egal was ich tue, die Stimme flüstert: Du bist im Umschwung. Konkreter: In der Phase vor dem Handeln.
In der Phase des Umschwungs, in der ich mir die Dinge nur ansehe. Wo ich mir kaum eine Meinung oder einen Plan bilden kann, weil so viele Meinungen, so viele Pläne und Möglichkeiten vor mir ausgebreitet werden.
Die Phase der Verwirrung. Der Neuorientierung, die Innehalten & zusehen erfordert. Bevor dann – endlich – alles wieder klar wird. Bevor die Ideen in die Tat umgesetzt werden. Die lange Wehe vor der Geburt.
Und eyy, ist das unangenehm.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich der Stille hinzugeben und zuzuhören. Diese Phase der Veränderung fühlt sich oft an, wie ein Kokon, in dem ich gern mit mir allein bin.
In dem ich mich immer mehr einfach nur mit mir selbst beschäftigen möchte.
In dem es sich nicht richtig anfühlt Richtungen zu definieren.
In dem nichts hilft, außer sich zu öffnen und die Dinge ihren Lauf nehmen zu lassen – “du musst dein Ändern leben” heißt:
Du musst dein Ändern annehmen & dich dessen Phasen hingeben.
Du musst deinem Ändern vertrauen, dass es dich führen wird.
Deinem Bauchgefühl vertrauen, dass es die Wahrheit spricht.
Kennst du das?
Geht es dir ähnlich?
Was tut man nun?
Das Kokon-Stadium – ein neuer Mensch wird geboren.
Die Schmetterlinge zeigen es uns am Besten: bevor wir neu erblühen, gehen wir durch eine Phase des Einhüllens. Wie eine kleine Raupe vor der großen Transformation.
Transformation kann ganz unterschiedliche Gründe haben, wie z.B. ein Schulwechsel, ein Schulabschluss, Jobverlust oder ähnlich innerlich wie bei mir: eine Neudefinition deiner Glaubenssätze und die Frage: Was will ich wirklich? Wer bin ich wirklich?
Was passiert im Kokon? – Let’s talk facts
Den Begriff “Kokon-Stadium” habe ich das erste Mal von Psychologin Nicole LaPera gehört. Sie beschreibt in diese Zusammenhang vor allem “das Kokon-Stadium der Heilung”. Dieses bezieht sich auf eine Phase im Persönlichkeitsentwicklungsprozess, in der wir uns von unserer üblichen Umgebung & Routinen zurückziehen, um uns auf unser persönliches Wachstum zu konzentrieren.
Auch wenn der Kontext leicht anders ist, finde ich den Begriff & Prozess unheimlich passend für die Phase, in der ich gerade stecke – sei es Veränderung oder Heilung, das ist nur eine Frage des Blickwinkels.
Im Kokon-Stadium können wir das Bedürfnis verspüren, uns von unseren sozialen und beruflichen Leben zurückzuziehen, um uns auf uns selbst zu konzentrieren. Das kann mehr Zeit allein bedeuten, ein Social Media Break, eine Pause von Arbeit oder anderen Verpflichtungen.
Es ist eine Zeit der Introspektion und Reflexion, in der wir unsere vergangenen Erfahrungen, Überzeugungen und Verhaltensmuster untersuchen können.
Das Stadium des Kokons kann schwierig und unangenehm sein, denn es ist damit verbunden, vergangenes Trauma, Emotionen und begrenzende Überzeugungen zu konfrontieren.
Es ist jedoch auch ein notwendiger Teil des Veränderungs-/ Heilungsprozesses, da es uns ermöglicht, alte Muster und Überzeugungen abzulegen und Raum für neues Wachstum & Transformation zu schaffen.
Wie lange das dauert? Das kann ganz unterschiedlich sein.
Einige Menschen benötigen möglicherweise nur wenige Tage oder Wochen, während andere mehrere Monate benötigen (Hi, it’s me).
Und auch wenn wir es gern schnell hätten in unserer rasenden Welt, ist es wichtig, das Bedürfnis nach dieser Phase zu respektieren und den Prozess nicht zu überstürzen.
Es ist ein ganz entscheidender Schritt hin zu unserer persönlichen Transformation. Damit wir unser authentischstes Ich sein können, in einem Leben, dass nach unseren Regeln spielt.
Tipps, wie du gut durch deine Kokon-Phase kommst:
Wenn du dich im Kokon-Stadium der Heilung befindest, hier sind einige Tipps, die dir helfen können:
Sag Ja zur Pause:
Es ist in Ordnung, dich von deiner üblichen Routine und Verantwortung zurückzuziehen. Zuerst mag das ein paar ordentliche Brocken Schuldgefühle mit sich bringen, doch das hier ist DEINE Zeit und es ist ok, dass du sie dir nimmst. Gib dir die Erlaubnis, während dieser Zeit deine eigenen Bedürfnisse zu priorisieren.
2. Praktiziere Selbstfürsorge:
Nimm dir Zeit für Aktivitäten, die dir guttun und helfen, dich zu entspannen, wie z.B. ein warmes Bad nehmen, Yoga oder einen Spaziergang in der Natur machen. Das kann dazu beitragen, dass du dich geerdet und mit dir selbst verbunden fühlst.
3. Schreibe deine Gedanken und Emotionen auf:
Das Aufschreiben deiner Gedanken und Emotionen kann eine hilfreiche Möglichkeit sein, deine Erfahrungen zu verarbeiten und zu verstehen. Es kann auch eine Möglichkeit sein, deinen Fortschritt zu verfolgen und Muster in deinem Denken und Verhalten zu bemerken oder neue Ziele zu definieren.
4. Suche dir Unterstützung:
Zögere nicht, Freunde, Familie oder sogar einen Therapeuten um Unterstützung während dieser Zeit zu bitten. Ein unterstützendes Netzwerk kann einen großen Unterschied machen und dich in deinem Weg bestärken
5. Sage deinen Freunden & Familie offen, in welches Phase du gerade steckst:
Wenn du dich zu Entscheidungen gedrängt fühlst, aber in deinen Konon-Phase nicht das Gefühl hast, diese treffen zu können, dann kommuniziere das offen.
Hier ein paar Beispiele, wie du es sagen kannst:
• “Ich verstehe, dass dir diese Entscheidung wichtig ist und du eine Antwort von mir möchtest. Damit ich dir eine geben kann, brauche ich jedoch etwas Zeit und Raum zum Nachdenken. Können wir darüber reden, wenn ich bereit bin?”
• “Danke, dass du mich in diesem Entscheidungsprozess mit einbeziehst, ich bin aktuell aber nicht in der Lage mir ein klares Bild von der Situation zu machen. Kannst du mir Zeit geben oder die Entscheidung für dich allein treffen?”
• “Zur Zeit kann ich dir darauf keine klare Antwort geben und werde mich damit noch ein wenig beschäftigen. Bitte habe etwas Geduld.”
6. Sei geduldig und sanft mit dir selbst:
Veränderung ist manchmal ein Prozess, der Zeit braucht. Verurteile dich nicht dafür, dich auf eine bestimmte Weise zu fühlen oder länger als erwartet zu brauchen. Vertraue dem Prozess und erlaube dir, in deinem eigenen Tempo zu gehen.
Du musst dein Ändern leben.
Deine Fabi