Santa Cruz
geschrieben am 01. August 2022, auf einer Bank am West Cliff Drive
Santa Cruz umgibt eine Energie, in der ich mich wie das glücklichste Mädchen der Welt fühle und gleichzeitig Tränen in den Augen habe.
Zum ersten Mal seit Monaten spüre ich Frieden. Ein riesiger Brocken Schwere fällt von meinen Schultern, wenn ich hier am West Cliff Drive entlang spaziere und dem Ozean dabei zusehe, wie er mit den kleinen Surfer-Mannequin spielt, die sich im Wasser tummeln.
Er hebt sie hoch, trägt sie ein paar Sekunden und wirft sie dann zurück in seine Wellen. Immer und immer wieder; ein endloses Spiel der Gelassenheit.
Und mittendrin stehe ich.
Mit den nackten Füßen direkt am Abrunde einer Klippe.
Unter mir der Strand.
Hunde, die durchs Wasser rennen.
Kleine Kinder, die Sandburgen bauen.
Erwachsene Hippies, die Hackysack Bälle durch die Gegend werfen. Sie sehen lächerlich dabei aus, ihr Anblick macht mich glücklich.
Es ist schön zu wissen, dass ich hingehen kann, wo ich will, und dass sich dort Menschen finden lassen, die sich nicht ernst nehmen. Die unbeschwert umherspringen, eins sind mit der Natur.
In Momenten wie diesen, weiß ich, dass Reisen das einzig Sinnvolle ist.
Entdecken ist sinnvoll.
Erleben ist sinnvoll.
Gute Luft zu atmen, die nach Freiheit riecht, ist sinnvoll.
Begriffe wie „Angestelltenverhältnis“ oder „9 to 5“ hingegen sind sinnlos.
Ich möchte damit nichts zu tun haben.
Der Gedanke das hier gegen einen Job einzutauschen, fühlt sich an, wie das Treten in eine Rattenfalle.
Ich hatte es kurz versucht, hatte einen Job nach dem Abi.
Sie boten mir okayes Geld, sowas wie Aufstiegschancen, Sicherheit und einen geregelten Alltag. Und ich habe es für ein paar Monate durchgehalten… Doch war letztlich machtlos gegen die tägliche Enge in meiner Brust.
Regeln, Vorschriften und die Pflicht zur braven Bürgerschaft strangulieren mich.
Ich möchte den Medienmenschen nicht mehr zuhören, wenn sie mir erzählen, dass die Welt untergeht.
Dass ich an Viruserkrankungen sterben werde.
Oder wegen Atombomben.
Oder Mückenstichen.
Ich möchte keinen Überlebenskampf, Ich möchte nur hier sitzen.
Den sanften Wind in meinen Haaren, das Salz auf meiner Haut, die Sonne und die Meerluft spüren.
Ich möchte Hippies beim Hackysack spielen zusehen und den Ozean in seiner Unendlichkeit beobachten.
Und wenn mich jetzt eine Mücke ermordet, dann habe ich wenigstens einen wunderbaren Ausblick.